Bach, Weihnachtsoratorium – Kritik

Zur Werkeinführung

Beim Benefiz-Konzerts in St. Nikolaus überreichte der Vorstandsvorsitzender der Gold-Kraemer-Stiftung eine Spende in Höhe von 10 000 Euro für eine Orgel an die Pfarre und den Orgelbauverein.

PULHEIM-BRAUWEILER – „Jauchzet! Frohlocket!“ Was ist jetzt in der Vorweihnachtszeit so sicher wie das Amen in der Kirche? Es ist der über uns alle kommende alljährliche Sturm klassischer Musik. Es ist jene Oratorien-Inflation auf Konzertpodien und in Kirchen, die – zwar gut gemeint – doch in Permanenz bereits vor Weihnachten auf die Passionszeit hoffen lässt. Auch die sechs Kantaten des Thomaskantors Johann Sebastian Bach, die zusammengefasst als Weihnachtsoratorium den Zeitraum zwischen dem Weihnachtsfest und dem Dreikönigstag beschreiten, gehören nahezu unverzichtbar zum Ritus des christlichen Jahresendspurts im Zeichen des Herrn. Eine Bescherung gab es für die Brauweiler Pfarre St. Nikolaus bereits zum vierten Advent. Denn im Rahmen des komplett ausverkauften Benefiz-Konzerts in der Abtei überreichte Johannes Ruland, Vorstandsvorsitzender der Gold-Kraemer-Stiftung, eine Spende in Höhe von 10 000 Euro an Brauweilers Pastor Peter Cryan und den Vorsitzenden des Orgelbauvereins, Dr. Heinrich Kemper. Ruland: „Damit wollen wir die Erneuerung der Orgel unterstützen und einen Beitrag zur Förderung von Kunst und Kultur in der Region leisten.“ Die vorhandene Orgel kann nur über einen elektrischen Spieltisch bedient werden, was die kirchenmusikalischen Möglichkeiten stark einschränkt. Deshalb soll eine neue Orgel, die wieder über einen mechanischen Spieltisch direkt am Instrument gespielt wird, angeschafft werden. Nur so kann langfristig eine qualitativ hochwertige Orgelmusik in der romanischen Abteikirche erklingen. Mitwirkende des Benefiz-Konzerts der Gold-Kraemer-Stiftung waren der Kammerchor „aChorART“ aus Köln-Merheim sowie das Barockorchester „Nel Dolce“ unter der Leitung von Markus Schönewolf. Gute zwei Stunden harrte das Publikum in der voll besetzten Abtei aus – in den Seitenschiffen wurde das Konzert sogar auf Großbildleinwand übertragen – und erlebte eine durchaus gelungene Aufführung im Geiste der historischen Aufführungspraxis.

Transparenter Klang

Das eher von kleineren Kammermusikbesetzungen kommende Instrumentalensemble und erst seit vergangenem Jahr in größeren Formationen agierende Orchester „Nel Dolce“ überzeugte mit einem transparenten Klangbild, ohne dabei die barocke Klangrede allzu sehr zu strapazieren. Um verstärkt als Barockorchester aufzufallen, sollte an Letzterem noch ein wenig gefeilt werden. Dirigent Markus Schönewolf, der neben seiner leitenden Tätigkeit auch Komponist und Hochschuldozent ist, oktroyierte den Ensembles dank seiner spärlichen und in erster Linie koordinierenden Zeichengebung keine gewaltsame Interpretation des Kantatenzyklus, von denen am Sonntag die Kantaten I-III sowie die VI. zu hören waren. Dem Chorpart oblagen die Stimme des Volkes und die Introspektion. Die Turba-Chöre präsentierten sich mit einer wunderbaren Klangkultur. Mit den Solisten Theresa Nelles (Sopran), Christa Menke (Alt), Wolfgang Klose (Tenor) und Gottfried Maier (Bass) war insgesamt ein guter Griff gemacht. Insbesondere die schöne Sopran-Stimme Nelles wie auch der bewegliche Tenor Kloses, der den Evangelistenpart übernahm wussten zu gefallen. Nur der mehrfach verpatzte Auftritt der Naturtrompeten trübte ein wenig die Gesamtstimmung eines bejubelten Konzerts.

Presse, Kritik, Kölner Stadt-Anzeiger