Bach, Weihnachtsoratorium – Rezension

Merheim. Solch einen lauten und langanhaltenden Applaus hat es in der Merheimer Pfarrkirche St. Gereon schon lange nicht mehr gegeben.

Der Beifall nach dem Abschluss-Choral „Tod, Teufel, Sünd und Hölle sind ganz und gar geschwächt, bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht“ galt dem an der Kirche beheimateten Kammerchor „aChorART“ sowie vier Solisten, die unter der Leitung von Markus Schönewolf vier Teile aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach aufgeführt hatten. Für passende musikalische Begleitung sorgte das Kölner Barockensemble Nel Nelce.

„Das war ein aufwändiges und anspruchsvolles Weihnachtskonzert. Ein wirklicher Höhepunkt der Kulturveranstaltungen in unserem Stadtbezirk“, sagte Kalks Bezirksbürgermeister Markus Thiele, der schon im Vorfeld die Schirmherrschaft für die Aufführungen übernommen hatte. Schließlich hatten sich auch die Bezirksvertretung sowie die Stiftung „Kalk gestalten“ an den Kosten dieses vorweihnachtlichen Projekts beteiligt. Thiele: „Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in ein ehrgeiziges Projekt, das langfristig vorbereitet werden musste.“

Nach einem ersten Anlauf vor 17 Jahren hatte sich der vor einigen Jahren aus dem Kirchenchor entstandene Kammerchor mit Unterstützung von Pfarrer Hans-Peter Kippels und dem Pfarrgemeinderat erneut an das Bach’che Werk herangewagt. Überrascht waren die Sänger, dass die Kirche dann doch recht schnell ausverkauft war. „Damit hatten wir eigentlich nicht gerechnet“, sagte Chormitglied Christa Höher-Pfeifer, die seit dem Sommer mit ihren Sangeskollegen eifrig und regelmäßig geprobt hatte.

Die Hauptregie bei den Proben und bei der Aufführung lag bei Organist und Hochschullehrer Schönewolf, der vor seinem Engagement an St. Gereon in Merheim an der Kölner Musikhochschule Komposition, Tonsatz, Hörerziehung und Klavier studiert hatte. Seit knapp vier Jahren leitet der Musiker, der zudem als einer der talentiertesten und vielversprechendsten Komponisten der jungen Generation gilt, sowohl den Kirchen- als auch den Kammerchor.

„Schönewolf legt Wert auf den reinen Klang, auf Präzision im Ton und auf eine deutliche Artikulation“, wissen die Mitglieder dieses Laienchors, der vor 33 Jahren gegründet wurde und gegenwärtig aus 31 Sängern und Sängerinnen – darunter zehn Sopran-, acht Alt, sieben Tenor und sechs Bassstimmen –besteht. „Wir sind ein junger oder zumindest jung gebliebener Chor“, sagt Höher-Pfeifer. „Wir sind kein Verein mit geselligem Leben, einem Vorstand oder ähnlichem. Uns verbindet das gemeinsame Singen. Der Gesang ist für uns eine Art Entspannung nach einem anstrengenden Tag in Schule, Studium, Familie oder Beruf.“ Die meisten Chormitglieder leben in Merheim oder sind dort aufgewachsen und fühlen sich der Kirchengemeinde verbunden. Andere, frühere Nachbarn, reisen zum Teil von weit her an.

Während Bachs Weihnachtsoratorium eigentlich aus sechs Teilen besteht, die früher jeweils einzeln in sechs Gottesdiensten des Weihnachtsfestkreises aufgeführt wurden, werden heute meist mehrere Teile zu einem Konzert zusammengefasst.

In Merheim waren dies nun die Teile eins, zwei, drei und sechs. Verstärkt und ergänzt wurde der Kammerchor durch vier Solisten: Theresa Nelles und Christa Menke, Wolfgang Klose und Gottfried Meyer. Vor allem Sopranistin Nelles als Engel – „Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch große Freude“ – und Tenor Klose, der einst als Kind im Domchor angefangen hatte, als Evangelist sowie mit der Arie „Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken“ beeindruckten das Publikum. „Die waren richtig, richtig gut“, kommentierten mehrere Konzertbesucher.