Erstarrte MusikDie Baukunst der Gotik als raumgewordene Lichttheologie und musikalisches Ereignis

Zwischen Musik und Raum besteht ein enges Beziehungsgeflecht. Immer geschieht ein musikalisches Ereignis – wenngleich Musik die Dimension der Zeit gestaltet – auch im Raum, und ja: Ein mit einem elastischen Medium – Luft in der Regel – gefüllter Raum ermöglicht erst den Transport von Klang. Dabei sind Musikdarbietungen von jeher an bestimmte Räume geknüpft oder diesen vorbehalten – Kultstätten zum Beispiel, seien dies natürliche Höhlen oder – Jahrtausende später – von Menschenhand gebaute Gotteshäuser.


 

Sucht die Hütten, stürmt die Konzertsäle!

Es werden der Möglichkeiten, die eigene Kreativität anzuzapfen, sich dem Unterbewussten zu öffnen, viele aufgezeigt; doch wie ein roter Faden zieht sich eine Technik – oder besser: eine Haltung – durch die Kunstgeschichte. Viele junge Künstlerinnen und Künstler zieht es in die angesagten Künstlerviertel großer Städte, womöglich ins Ausland, sie üben sich im regen Austausch, ihre Ideen sich gegenseitig befruchtend, nutzen lokale Kultureinrichtungen und Fördermöglichkeiten, interessiertes Publikum ist vor Ort. Doch große Kunst entsteht – in der Stille.


 

Der Wolf in der MusikWolfsquinte, Kommas und andere Temperaturprobleme

„Die Musik ist der Arithmetik untergeordnet, und wenn man einige grundlegende Versuche mit Harmonien und Dissonanzen kennt, weiß man, daß alle übrigen Prinzipien von Zahlen abhängen.“ Gottfried Wilhelm Leibniz Begriffe wie Wolfsquinte, syntonisches Komma, Diësis usw. sind fast allen Musikern geläufig. Es handelt sich hierbei um Intervalle, die bei den unterschiedlichen historischen Stimmungen bzw. Temperaturen vornehmlich – doch nicht ausschließlich – der Tasteninstrumente auftreten. Einerseits ergeben sich diese Intervalle gemäß physikalischer Gesetzmäßigkeiten unweigerlich, auf der anderen Seite sind sie musikalisch unselbständig, bereiten gar große Probleme und zwingen zum Kompromiss.


 

Musikalische Haus- und Lebensregelnverfasst von Robert Schumann

Die Musikalischen Haus- und Lebensregeln hat der Komponist Robert Schumann erstmalig 1850 in der von ihm selbst, Friedrich Wieck sowie Ludwig Schuncke und Julius Knorr gegründeten Neuen Zeitschrift für Musik veröffentlicht. 1851 wurden die Lebensregeln als Anhang in die zweite Auflage des Album für die Jugend op. 68 aufgenommen. Die Bildung des Gehörs ist das Wichtigste. Bemühe dich frühzeitig, Tonart und Ton zu erkennen. Die Glocke, die Fensterscheibe, der Kukuck — forsche nach, welche Töne sie angeben.


 

Blockflöten-Notation

Heutige Blockflöten sind meist Instrumente in C oder F. Daneben existieren solche in D, G und B. Die Mitglieder der modernen Blockflötenfamilie reichen von der Sopraninoblockflöte und zur Subkontrabassblockflöte und besitzen alternierend den Grundton C oder F. Sopraninoblockflöte (f 2) Sopranblockflöte (c2) Altblockflöte (f 1) Tenorblockflöte (c1) Bassblockflöte (f 0) Großbassblockflöte (c 0) Sub- bzw. Kontrabassblockflöte (F) Subgroßbassblockflöte (C) Subsub- bzw. Subkontrabassblockflöte (1F) Auffällig ist, dass es sich bei den Blockflöten um 4′-Instrumente handelt, sie also eine Oktave höher klingen als ihre gleichnamigen Vertreter anderer Instrumentenfamilien.


 

Ueber die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Redenvon Heinrich von Kleist

Heinrich von Kleist (1777–1811) verfasste seinen Essay Ueber die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden wohl 1805 oder 1806; doch ist der in Briefform an seinen Freund Otto August Rühle von Lilienstern (1780–1847) gerichtete Aufsatz erst posthum in der Zeitschrift Nord und Süd veröffentlicht worden. Kleist thematisiert hierin die Möglichkeit der Problemlösung durch bloßes Kommunizieren über einen Gegenstand mit einer anderen Person – auch wenn diese Person nicht fachkundig sei.


 

Kammerton

1939 wurde der Kammerton auf a1 = 440 Hertz festgelegt. Jedoch existieren in der Musikpraxis überaus zahlreiche unterschiedliche Stimmtöne. Für all diese Stimmtöne sind in diesem Beitrag Audio-Beispiele zusammengetragen. Darunter finden sich auch solche, wie sie für die historische Aufführungspraxis benötigt werden. Standard-Kammerton a1 = 440 Hertz Kammertöne zwischen 430 und 447 Hertz 430 Hertz 431 Hertz 432 Hertz 433 Hertz 434 Hertz


 

J. S. Bach, WeihnachtsoratoriumWerkeinführung und Libretto

Bach mit Rätel-Kanon BWV 1076, gemalt von Elias Gottlob Haussman Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium ist ein sechsteiliges Oratorium für Gesangssolisten, gemischten Chor und Orchester. Die große Orchesterbesetzung mit Holzbläsern (2 Traversflöten, 2 Oboen, 2 Oboe d’amore, 2 Oboe da caccia), den sprichwörtlichen Pauken und (drei) Trompeten, Streichorchester und Continuo ist dem hochfestlichen Anlass angemessen. Zwei Hörner finden ausschließlich im vierten Teil des Oratoriums Verwendung. War zu Zeiten Bachs eine Aufführung der einzelnen Teile in sechs Gottesdiensten des Weihnachtsfestkreises vorgesehen – erstmalig zwischen dem Ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 – werden heute ausgewählte Teile (besonders häufig: Teile I–III) oder – seltener – das gesamte Oratorium im Konzertrahmen aufgeführt, und für viele Menschen gehört der Konzertbesuch zum alljährlichen festen Ritual in der (vor‑)weihnachtlichen Zeit.


 

Laokoon

Der Hybris erwehrend Schnellen hydrische Brüder Windend und bindend Beißend zerreißend So wüten würgende Würger Sie fällen! Hier fällt’s Feste gebunden Augen streifen Einen schlanken Kopf Und sehen Und sehen Es fliehen die Lenden den Fang Sie hören Fast ist er entwunden Zum Schrei schwillt stöhnend die Brust   In Stein, in Stein Du höchster Augenblick Erstockend weite dich zu reinem Raum So erherrscht der Zeit sich nur die Kunst


 

J. S. Bach, Johannes-PassionWerkeinführung und Libretto

Die Passio Secundum Johannem zählt zu Bachs bedeutendsten Werken und gilt als einer der wichtigsten abendländischen Kulturbeiträge überhaupt. Im Gegensatz zu ihrer jüngeren Schwester, der Matthäus-Passion, liegt sie jedoch nicht in nur einer Fassung vor. Die teils deutlich divergierenden Fassungen I bis IV zeugen jedoch nicht – wie oft angenommen – von einer generellen Unzufriedenheit Bachs mit dem Werk. Vielmehr hat dieser sein Opus zugunsten mehrmaliger Verwendbarkeit situativ angepasst, was sich besonders an den deutlichen Unterschieden zwischen den ersten beiden Fassungen ablesen lässt, folgte die Aufführung von Fassung II doch der Uraufführung von 1724 nur ein Jahr später.


 

Kurzschrift für Orchesterbesetzungen

Die Kurzschrift für Orchesterbesetzungen erlaubt es, die genaue Besetzung eines Sinfonieorchesters übersichtlich und dennoch platzsparend darzustellen. Die Kurzschrift wird in unter anderem in Katalogen großer Musikverlage verwendet. Reihenfolge der Standard-Instrumente Die Kurzschrift für Orchesterbesetzungen richtet sich nach der Standardreihenfolge der Orchesterinstrumente in Partituren. Holzbläser (Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte) Blechbläser (Hörner, Trompeten, Posaunen, Tuba) Pauken, Schlagzeug Harfe, Gitarre Klavier, Cembalo, Celesta, Orgel Sprecher, Gesang Streicher (1. Violinen, 2. Violinen, Bratschen, Violoncelli, Kontrabässe) So bedeutet die ‚romantische‘ Standard-Orchesterbesetzung


 

J. S. Bach, Kantaten für Solo-Bass, Chor und Orchester„Ich habe genug“ // „Der Friede sei mit dir“ // „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“

Die Kantate stellt als literarische Gattung in ihrer späten Prägung durch Erdmann Neumeister das lyrische Pendant zur dramatischen Oper und dem episch geprägten Oratorium dar. Bach vertonte zahlreiche Kantaten-Libretti und rückte die Kantate mit über 200 überlieferten Gattungsbeiträgen, von denen nur etwa 20 für profane Anlässe entstanden und die insgesamt drei Fünftel der Gesamtzahl der von Bach komponierten Kantaten repräsentieren, ins Zentrum seines musikalischen Schaffens. Von ihrer musikhistorischen Bedeutung zeugt auch der Bach-Kantaten-Begriff, avancierte er doch in der musikwissenschaftlichen Terminologie zur Gattungsbezeichnung.


 

Konzerteinführung A-cappella-MusikDir, dir, Jehova, will ich singen – Chormusik a cappella aus sieben Jahrhunderten

Der A-cappella-Gesang stellt gewiss die „Königsdisziplin“ des Chorgesangs dar, ist gleichzeitig auch größte Herausforderung, liegt der Vokalklang doch nackt, ungeschminkt und bloß dar, dabei jeglicher instrumental-intonatorischen Stütze entbehrend. Vom italienischen „alla cappella“ – nach Art der (Gesangs-)Kapelle – abgeleitet, meinte der Begriff zunächst Chormusik mit colla parte geführter Instrumentalbegleitung oder gar reine Instrumentalmusik mit quasi-vokalem Anspruch an die Linearität der beteiligten Stimmen. Erst mit der Wiederentdeckung der alten Meisterwerke im 19.


 

Einführung in die Glockenakustik

Nicht erst J. C. Friedrich von Schillers Das Lied von der Glocke macht uns bewusst, dass uns Glockengeläut das gesamte (christliche) Leben hindurch – von der Geburt bis zur Grablegung – begleitet; doch gerade dieses so vertraute akustische Phänomen weist zahlreiche spezifische Eigenheiten auf und hebt so die Glocke von allen übrigen Instrumenten ab. Ein ‚Einzelton‘ eines jeden Musikinstruments setzt sich aus unendlich vielen unterschiedlichen Teiltönen zusammen, unter denen der Grundton (= 1.


 

W. A. Mozart, Requiem

„[…] da der Tod, genau zu nehmen, der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, daß sein Bild nicht allein nichts schreckendes mehr für mich hat, sonders recht viel beruhigendes und tröstendes! und ich danke meinem Gott, daß er mir das Glück gegönnt hat mir die Gelegenheit […] zu verschaffen, ihn als den schlüssel zu unserer wahren Glückseeligkeit kennen zu lernen.